Seminarfacharbeit 2024/25

Diabetes bei Schülern

Eine wissenschaftlich fundierte Informationsplattform für Schüler, Lehrkräfte und Eltern. Hier finden Sie evidenzbasierte Informationen, praktische Hilfestellungen und wertvolle Ressourcen für einen sicheren Schulalltag mit Diabetes.

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Herzlich willkommen

Diese Webseite entstand im Rahmen einer Seminarfacharbeit mit dem Ziel, verlässliche und verständliche Informationen über Diabetes mellitus im schulischen Kontext bereitzustellen. Alle Inhalte wurden sorgfältig recherchiert und orientieren sich an aktuellen medizinischen Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

„Mit fundiertem Wissen und guter Vorbereitung lässt sich der Schulalltag auch mit Diabetes sicher und selbstbestimmt gestalten."

— Leitgedanke dieser Seminarfacharbeit
biotech

Über Diabetes mellitus

Diabetes mellitus bezeichnet eine heterogene Gruppe chronischer Stoffwechselerkrankungen, die durch eine persistierende Hyperglykämie (erhöhte Blutglukosekonzentration) charakterisiert sind. Die Pathogenese beruht auf Defekten der Insulinsekretion, der Insulinwirkung oder einer Kombination beider Faktoren. Die folgenden Informationen basieren auf aktuellen Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der American Diabetes Association (ADA) sowie internationalen Forschungserkenntnissen.

public Globale und nationale Statistiken

537 Mio.

Menschen weltweit leben mit Diabetes (20-79 Jahre)

Quelle: IDF Diabetes Atlas, 2021

~8,5 Mio.

Menschen mit diagnostiziertem Diabetes in Deutschland

Quelle: RKI, 2023

~2 Mio.

Dunkelziffer unentdeckter Diabetesfälle in Deutschland

Quelle: DDG Gesundheitsbericht, 2023

6,7 Mio.

Todesfälle weltweit durch Diabetes-Komplikationen (2021)

Quelle: WHO Global Report

~32.000

Kinder/Jugendliche < 20 Jahre mit Typ-1-Diabetes in Deutschland

90-95%

aller Diabetesfälle sind Typ-2-Diabetes

+46%

prognostizierter Anstieg bis 2045 (weltweit)

category ICD-10 Klassifikation des Diabetes mellitus

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) der WHO ordnet Diabetes mellitus in die Kategorie E10-E14 ein. Diese Klassifikation ist für die medizinische Dokumentation und Abrechnung in Deutschland verbindlich.

ICD-10 Code Bezeichnung Beschreibung
E10.- Typ-1-Diabetes mellitus Primär insulinabhängig, autoimmun bedingt
E11.- Typ-2-Diabetes mellitus Primär nicht insulinabhängig, Insulinresistenz
E12.- Diabetes durch Fehl-/Mangelernährung Malnutritionsbedingter Diabetes (selten)
E13.- Sonstiger näher bezeichneter Diabetes MODY, medikamenteninduziert, genetische Syndrome
E14.- Nicht näher bezeichneter Diabetes Wenn Typ nicht spezifiziert werden kann

Hinweis: Die vierte Stelle (nach dem Punkt) kodiert Komplikationen: .0 = Koma, .1 = Ketoazidose, .2 = Nierenkomplikationen, .3 = Augenkomplikationen, .4 = neurologische Komplikationen, etc.

Differenzierung: Typ-1- vs. Typ-2-Diabetes

Obwohl beide Formen durch Hyperglykämie gekennzeichnet sind, unterscheiden sie sich grundlegend in Pathogenese, Epidemiologie und Therapieansätzen. Die folgende Gegenüberstellung basiert auf den aktuellen Leitlinien der DDG und ADA.

T1

Typ-1-Diabetes mellitus

ICD-10: E10.- | ca. 5-10% aller Fälle

science Pathogenese

Autoimmunreaktion gegen die insulinproduzierenden β-Zellen der Langerhans-Inseln im Pankreas. Die Zerstörung führt zu absolutem Insulinmangel. Genetische Prädisposition (HLA-Assoziation) und Umweltfaktoren spielen eine Rolle.

groups Epidemiologie
  • Manifestation meist im Kindes-/Jugendalter (Peak: 10-14 Jahre)
  • Inzidenz in Deutschland: ~22-25/100.000/Jahr bei < 15-Jährigen
  • Keine Geschlechtspräferenz
  • Steigend um ca. 3-4% pro Jahr (weltweit)
symptoms Klinische Präsentation
  • Akuter Beginn (Tage bis Wochen)
  • Polydipsie, Polyurie, Gewichtsverlust
  • Häufig Erstmanifestation mit Ketoazidose (DKA)
  • Patienten meist normalgewichtig
medication Therapie

Lebenslange Insulintherapie obligat:
• Intensivierte konventionelle Therapie (ICT) oder
• Kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII/Pumpe)
• Hybrid-Closed-Loop-Systeme zunehmend Standard

labs Diagnostische Marker
  • Autoantikörper: GAD65, IA-2, ZnT8, IAA
  • C-Peptid niedrig/nicht nachweisbar
  • Ketone bei Erstmanifestation häufig positiv
T2

Typ-2-Diabetes mellitus

ICD-10: E11.- | ca. 90-95% aller Fälle

science Pathogenese

Kombination aus Insulinresistenz der peripheren Gewebe (Muskel, Fett, Leber) und progressiver β-Zell-Dysfunktion. Starke genetische Komponente, aber Lebensstilfaktoren (Adipositas, Bewegungsmangel) sind Haupttreiber.

groups Epidemiologie
  • Manifestation meist > 40 Jahre, zunehmend auch Jugendliche
  • Prävalenz in Deutschland: ca. 8-10% der Erwachsenen
  • Starke Assoziation mit metabolischem Syndrom
  • Häufiger bei niedrigem sozioökonomischem Status
symptoms Klinische Präsentation
  • Schleichender Beginn (Monate bis Jahre)
  • Oft asymptomatisch (Zufallsbefund)
  • Müdigkeit, rezidivierende Infekte, Wundheilungsstörungen
  • 80-90% der Patienten übergewichtig/adipös
medication Therapie

Stufentherapie nach DDG/ADA:
1. Lebensstilmodifikation (Ernährung, Bewegung)
2. Orale Antidiabetika (Metformin First-Line)
3. Kombinationstherapie (SGLT2i, GLP-1-RA, DPP4i)
4. Ggf. Insulintherapie bei Progression

labs Diagnostische Marker
  • Keine Autoantikörper
  • C-Peptid normal oder erhöht (initial)
  • Häufig Dyslipidämie, Hypertonie

fact_check Diagnosekriterien (DDG/ADA 2024)

Die Diagnose eines Diabetes mellitus kann anhand verschiedener Kriterien gestellt werden. Bei asymptomatischen Patienten ist eine Bestätigung durch eine zweite Messung erforderlich.

Nüchtern-Glukose

≥ 126 mg/dl

(≥ 7,0 mmol/l)

Mind. 8h keine Kalorienzufuhr

HbA1c

≥ 6,5%

(≥ 48 mmol/mol)

Standardisierte Labormethode

oGTT (2h-Wert)

≥ 200 mg/dl

(≥ 11,1 mmol/l)

Nach 75g Glukosebelastung

Gelegenheits-BZ

≥ 200 mg/dl

(≥ 11,1 mmol/l)

+ klassische Symptome

Prädiabetes (erhöhtes Diabetesrisiko): Nüchtern-Glukose 100-125 mg/dl (IFG) oder oGTT 2h-Wert 140-199 mg/dl (IGT) oder HbA1c 5,7-6,4%. Bei Prädiabetes kann durch Lebensstiländerungen eine Progression zum Diabetes häufig verhindert werden.

diversity_3 Weitere Diabetesformen

Gestationsdiabetes (GDM)

ICD-10: O24.4

Erstmals in der Schwangerschaft diagnostizierte Glukosetoleranzstörung. Betrifft ca. 5-10% aller Schwangerschaften. Screening in der 24.-28. SSW empfohlen.

MODY (Maturity-Onset Diabetes of the Young)

ICD-10: E13.-

Monogene Diabetesformen durch Mutationen in einzelnen Genen (z.B. HNF1A, GCK). Autosomal-dominant vererbt. Manifestation meist < 25 Jahre.

LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults)

ICD-10: E10.-

Autoimmundiabetes mit langsamer Progression bei Erwachsenen (> 30 Jahre). Initial oft als Typ-2 fehlklassifiziert. GAD-Antikörper positiv.

medical_information Klassische Symptome der Hyperglykämie

water_drop
Polydipsie

Vermehrtes Durstgefühl durch osmotische Diurese

wc
Polyurie

Häufiges Wasserlassen, auch nachts (Nykturie)

monitor_weight
Gewichtsverlust

Ungewollter Gewichtsverlust trotz normaler Nahrungsaufnahme

battery_low
Müdigkeit

Ausgeprägte Erschöpfung und Leistungsminderung

Weitere mögliche Symptome: Sehstörungen, Wundheilungsstörungen, rezidivierende Infektionen (v.a. Harnwege, Haut), Juckreiz, Mundtrockenheit. Bei Typ-2-Diabetes können Symptome über Jahre fehlen oder mild sein.

Wissenschaftliche Quellen

  • • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, 2023
  • • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, 2023
  • • American Diabetes Association (ADA): Standards of Care in Diabetes, 2024
  • • International Diabetes Federation (IDF): Diabetes Atlas, 10th Edition, 2021
  • • Robert Koch-Institut (RKI): Diabetes-Surveillance in Deutschland, 2023
  • • World Health Organization (WHO): Classification of Diabetes mellitus, 2019
  • • Harvard T.H. Chan School of Public Health: The Nutrition Source – Diabetes
  • • Johns Hopkins Medicine: Diabetes Center – Patient Education Resources

Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei Verdacht auf Diabetes mellitus wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder eine diabetologische Fachpraxis.

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Leben mit Diabetes im Alltag

Das Leben mit Diabetes mellitus erfordert eine kontinuierliche Selbstmanagement-Strategie, die an die jeweilige Lebensphase angepasst werden muss. Die folgenden Empfehlungen basieren auf aktuellen Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der American Diabetes Association (ADA) sowie internationalen Forschungserkenntnissen.

devices Moderne Therapietechnologien

CGM-Systeme

Continuous Glucose Monitoring misst den Glukosegehalt im Unterhautfettgewebe alle 1-5 Minuten.

Studien zeigen eine HbA1c-Reduktion um 0,3-0,6% (DDG, 2023)

Insulinpumpen

Kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII) ermöglicht eine präzisere Basalratensteuerung.

Reduktion schwerer Hypoglykämien um bis zu 50% (ADA, 2024)

Hybrid-Closed-Loop

Automatisierte Insulindosierung („künstliche Bauchspeicheldrüse") passt Insulin selbstständig an.

Time-in-Range-Verbesserung auf 70-80% (ISPAD, 2022)

Diabetes-Management nach Altersgruppen

Die Anforderungen an das Diabetes-Management unterscheiden sich je nach Entwicklungsphase erheblich. Die International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) und die ADA empfehlen altersspezifische Therapieziele und Strategien.

child_care

Kleinkinder und Kinder (0-11 Jahre)

Besondere Herausforderungen durch Wachstum und Entwicklung

Therapieziele (ISPAD/ADA)
  • HbA1c-Zielwert: < 7,0% (individuell anpassbar)
  • Nüchtern-Blutzucker: 70-130 mg/dl
  • Vermeidung schwerer Hypoglykämien (Gehirnentwicklung!)
  • Time-in-Range (70-180 mg/dl): > 60%
Besonderheiten im Alltag
  • Unvorhersehbares Essverhalten erfordert flexible Bolusgabe
  • Hohe körperliche Aktivität → häufige Blutzuckerkontrollen
  • Eltern/Betreuungspersonen übernehmen Hauptverantwortung
  • Kindergarten/Grundschule: Betreuungsplan erforderlich
Ernährungsempfehlungen (DDG/ADA)

Kohlenhydrate

45-55% der Gesamtenergie, bevorzugt komplexe KH

Mahlzeitenfrequenz

3 Hauptmahlzeiten + 2-3 Snacks

Insulindosierung

Oft nach dem Essen (bei unklarer Essmenge)

school

Jugendliche (12-18 Jahre)

Pubertät, Autonomie und psychosoziale Faktoren

Therapieziele (ISPAD/ADA)
  • HbA1c-Zielwert: < 7,0% (möglichst ohne schwere Hypoglykämien)
  • Time-in-Range (70-180 mg/dl): > 60%
  • Time-below-Range (< 70 mg/dl): < 4%
  • Schrittweise Übernahme der Selbstverantwortung
Herausforderungen der Pubertät
  • Wachstumshormone erhöhen Insulinresistenz um 30-50%
  • Unregelmäßiger Schlaf-/Essrhythmus
  • Psychische Belastung, Diabetes-Distress
  • Soziale Faktoren: Peer-Druck, Partys, Alkohol
Wichtige Themen für Jugendliche
sports_esports

Sport & Freizeit

Anpassung der Insulindosis vor Aktivitäten

nightlife

Partys & Alkohol

Alkohol senkt BZ – Hypoglykämie-Risiko!

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Führerschein

BZ-Kontrolle vor jeder Fahrt (> 90 mg/dl)

psychology

Psychische Gesundheit

Screening auf Depression alle 1-2 Jahre

Wissenschaftlicher Hinweis: Studien der Harvard Medical School zeigen, dass Jugendliche mit Diabetes ein 2-3-fach erhöhtes Risiko für depressive Symptome haben. Regelmäßige psychologische Unterstützung verbessert sowohl die Lebensqualität als auch die Stoffwechseleinstellung signifikant.

person

Erwachsene (ab 18 Jahre)

Beruf, Familie und Langzeitprävention

Therapieziele (DDG/ADA)
  • HbA1c-Zielwert: 6,5-7,0% (individualisiert)
  • Nüchtern-Blutzucker: 80-130 mg/dl
  • Postprandial (2h): < 180 mg/dl
  • Time-in-Range: > 70% empfohlen
  • Blutdruck: < 130/80 mmHg
  • LDL-Cholesterin: < 100 mg/dl (bei KHK < 70 mg/dl)
Langzeitkomplikationen vermeiden
  • Retinopathie: Jährliche Augenuntersuchung
  • Nephropathie: Jährliche Urin-/Nierenwertkontrollen
  • Neuropathie: Fußuntersuchung alle 6-12 Monate
  • Kardiovaskulär: Regelmäßige Herzkreislauf-Checks
Alltagsmanagement für Berufstätige
Arbeitsplatz
  • Diabetes-Utensilien am Arbeitsplatz
  • Kollegen informieren (optional)
  • Regelmäßige Pausen einplanen
  • Snacks für Notfälle griffbereit
Schichtarbeit
  • Basalrate/Langzeitinsulin anpassen
  • Mahlzeiten an Schichtrhythmus anpassen
  • Häufigere BZ-Kontrollen
  • Ausreichend Schlaf priorisieren
Reisen
  • Insulin im Handgepäck (gekühlt)
  • Ärztliche Bescheinigung mitführen
  • Zeitzonen: Basalrate anpassen
  • Doppelte Menge an Zubehör
pregnant_woman Schwangerschaft & Familienplanung

Bei Kinderwunsch: HbA1c < 6,5% vor Konzeption anstreben. Engmaschige Betreuung durch Diabetologen und Gynäkologen. Folsäure-Supplementierung ab 3 Monaten vor geplanter Schwangerschaft. (Quelle: DDG S3-Leitlinie Diabetes und Schwangerschaft)

elderly Ältere Erwachsene (> 65 Jahre)

Individualisierte HbA1c-Ziele (7,0-8,0% je nach Gesundheitszustand). Vermeidung von Hypoglykämien hat Priorität. Vereinfachte Therapieschemata können sinnvoll sein. (Quelle: ADA Standards of Care 2024)

restaurant Ernährungsempfehlungen (evidenzbasiert)

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die ADA empfehlen keine spezielle „Diabetesdiät", sondern eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Das Kohlenhydrat-Counting ist dabei ein zentrales Werkzeug.

Empfohlen
  • Vollkornprodukte
  • Gemüse & Hülsenfrüchte
  • Fettarme Milchprodukte
  • Fisch (2x/Woche)
  • Pflanzliche Öle
In Maßen
  • Rotes Fleisch
  • Weißmehlprodukte
  • Obst (Fruktose beachten)
  • Nüsse
  • Käse
Einschränken
  • Zucker, Süßigkeiten
  • Softdrinks, Säfte
  • Gesättigte Fettsäuren
  • Verarbeitete Lebensmittel
  • Alkohol
Glykämischer Index

Lebensmittel mit niedrigem GI (< 55) verursachen langsameren BZ-Anstieg:

  • Haferflocken (GI 55)
  • Linsen (GI 30)
  • Vollkornbrot (GI 50)

fitness_center Körperliche Aktivität und Sport

Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinsensitivität, senkt das kardiovaskuläre Risiko und fördert das psychische Wohlbefinden. Die ADA empfiehlt:

Kinder & Jugendliche

Mind. 60 Minuten moderate bis intensive Aktivität täglich

Quelle: WHO/ISPAD Empfehlungen

Erwachsene

150 Min./Woche moderate Aktivität oder 75 Min./Woche intensive Aktivität

+ 2-3x Krafttraining pro Woche

Vor dem Sport beachten
  • BZ messen (Ziel: 90-250 mg/dl)
  • Bei < 90: Kohlenhydrate zuführen
  • Traubenzucker bereithalten
  • Insulin ggf. reduzieren

Wissenschaftliche Quellen

  • • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, 2023
  • • American Diabetes Association (ADA): Standards of Care in Diabetes, 2024
  • • International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD): Clinical Practice Consensus Guidelines, 2022
  • • Robert Koch-Institut (RKI): Diabetes-Surveillance in Deutschland, 2023
  • • Harvard T.H. Chan School of Public Health: Nutrition and Diabetes Research
  • • International Diabetes Federation (IDF): Diabetes Atlas, 10th Edition, 2021
  • • World Health Organization (WHO): Guidelines on Physical Activity, 2020

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine individuelle Beratung durch Ihren behandelnden Arzt oder Ihr Diabetes-Team. Therapieziele und -strategien sollten stets individuell angepasst werden.

school

Leitfaden für Lehrkräfte und Schulen

Ein evidenzbasierter Umgang mit Diabetes im schulischen Umfeld ist entscheidend für die Sicherheit und das Wohlbefinden betroffener Schülerinnen und Schüler. Die folgenden Empfehlungen basieren auf aktuellen Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der American Diabetes Association (ADA) sowie Erkenntnissen führender Forschungseinrichtungen.

bar_chart Wichtige Fakten und Zahlen

~32.000

Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren mit Typ-1-Diabetes in Deutschland

Quelle: RKI, 2023

2.300+

Neuerkrankungen pro Jahr bei Kindern unter 15 Jahren in Deutschland

Quelle: DDG, 2023

4-6x

Blutzuckermessungen pro Tag bei intensivierter Therapie erforderlich

Quelle: ADA Standards of Care

70-180

mg/dl – empfohlener Zielbereich für Blutzucker bei Kindern

Quelle: ISPAD Guidelines

Praktische Handlungsempfehlungen für den Schulalltag

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Flexibilität bei Messungen und Mahlzeiten

Schülerinnen und Schüler mit Diabetes müssen jederzeit die Möglichkeit haben, ihren Blutzucker zu messen und bei Bedarf Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Dies ist medizinisch notwendig und kein Verstoß gegen Schulregeln.

Empfehlung (DDG/ADA):

  • Erlaubnis zum Essen und Trinken im Unterricht
  • Freier Zugang zu Messgeräten und Insulin
  • Möglichkeit, den Raum bei Bedarf zu verlassen
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Prüfungssituationen und Leistungsbewertung

Schwankende Blutzuckerwerte können die kognitive Leistungsfähigkeit erheblich beeinflussen. Studien zeigen, dass sowohl Hypo- als auch Hyperglykämie Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigen.

Wissenschaftlich fundierte Maßnahmen:

  • Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten (10-25%)
  • Unterbrechung bei Stoffwechselentgleisung
  • Nachholtermine bei akuten Problemen
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Sportunterricht und körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität beeinflusst den Blutzucker erheblich. Die ADA empfiehlt regelmäßige Bewegung, jedoch mit entsprechender Vorbereitung und Monitoring.

Vor und während des Sports:

  • Blutzuckerkontrolle vor Beginn (Ziel: 90-250 mg/dl)
  • Zusätzliche Kohlenhydrate bei Werten < 90 mg/dl
  • Traubenzucker griffbereit halten
  • Kein Sport bei Ketonkörpern im Urin
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Klassenfahrten und Exkursionen

Mehrtägige Ausflüge erfordern besondere Planung. Eine frühzeitige Abstimmung mit Eltern und behandelnden Ärzten ist unerlässlich.

Checkliste für Lehrkräfte:

  • Schriftlicher Notfallplan mit Kontaktdaten
  • Ausreichend Insulin, Teststreifen, Traubenzucker
  • Kühlmöglichkeit für Insulin (2-8°C)
  • Einweisung der Begleitpersonen

emergency Notfallprotokoll für Lehrkräfte

Bei Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Symptome: Zittern, Schwitzen, Blässe, Verwirrtheit, Herzrasen

  1. Sofort 15-20g schnelle Kohlenhydrate geben
  2. z.B. 200ml Fruchtsaft oder 4-5 Traubenzucker
  3. Nach 15 Min. erneut messen
  4. Bei Bewusstlosigkeit: Notruf 112, stabile Seitenlage

Bei Überzuckerung (Hyperglykämie)

Symptome: Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Müdigkeit

  1. Eltern/Erziehungsberechtigte informieren
  2. Viel Wasser trinken lassen
  3. Keinen Sport ausüben lassen
  4. Bei Erbrechen oder Bewusstseinstrübung: Notruf 112

menu_book Empfehlung: Diabetes-Schulung für Schulpersonal

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) empfehlen eine grundlegende Schulung des pädagogischen Personals. Studien der Harvard Medical School zeigen, dass geschultes Personal Notfallsituationen signifikant besser bewältigt.

Grundlagen-Modul

Pathophysiologie, Therapieformen, Alltag mit Diabetes

Notfall-Modul

Erkennung und Erstversorgung von Hypo-/Hyperglykämie

Praxis-Modul

Blutzuckermessung, Insulinpens, CGM-Systeme

gavel Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Kinder mit Diabetes haben gemäß dem Sozialgesetzbuch (SGB) und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe am Schulunterricht. Schulen sind verpflichtet, angemessene Vorkehrungen zu treffen.

  • Nachteilsausgleich kann formlos beantragt werden (§ 126 SGB IX)
  • Lehrkräfte dürfen bei entsprechender Einweisung Blutzucker messen
  • Insulingabe durch Nicht-Mediziner ist bei Delegation durch Eltern zulässig
  • Individuelle Gesundheitspläne sollten schriftlich dokumentiert werden

Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur

  • • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes, 2023
  • • American Diabetes Association (ADA): Standards of Care in Diabetes, 2024
  • • Robert Koch-Institut (RKI): Diabetes-Surveillance in Deutschland, 2023
  • • International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD): Clinical Practice Consensus Guidelines, 2022
  • • Harvard T.H. Chan School of Public Health: Diabetes Management in Schools, Research Publications
  • • World Health Organization (WHO): Global Report on Diabetes, 2021

Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Bei spezifischen Fragen wenden Sie sich bitte an die behandelnden Ärzte oder diabetologische Facheinrichtungen.

podcasts

Podcast: Aktuelle Forschungen bei Diabetesbehandlung

In dieser Podcast-Episode diskutieren wir – gemeinsam mit meinem Kollegen – die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Behandlung von Diabetes mellitus. Wir beleuchten aktuelle Studien, innovative Therapieansätze und zukünftige Entwicklungen in der Diabetesforschung.

Themen dieser Episode:

  • Fortschritte bei der Insulintherapie und Smart-Insulin-Systeme
  • Neue Erkenntnisse zur Betazell-Regeneration
  • Künstliche Bauchspeicheldrüse und automatisierte Insulinabgabe
  • Präventionsstrategien und Früherkennung bei Typ-1-Diabetes

Hinweis: Dieser Podcast dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit wenden Sie sich bitte an medizinisches Fachpersonal.

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Blutzucker-Check

Mit diesem Formular können Sie Ihren aktuellen Blutzuckerwert einordnen. Geben Sie bitte Ihren gemessenen Wert ein und wählen Sie den Messzeitpunkt aus. Wir helfen Ihnen, die Ergebnisse wissenschaftlich fundiert zu interpretieren.

Bitte geben Sie einen Wert zwischen 20 und 600 mg/dl ein.

Referenzwerte zur Orientierung

Kategorie Nüchtern (mg/dl) Nach dem Essen (mg/dl)
Unterzuckerung (Hypoglykämie) < 70 < 70
Normalbereich 70 – 100 < 140
Erhöht (Prädiabetes) 100 – 125 140 – 199
Überzuckerung (Hyperglykämie) ≥ 126 ≥ 200

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und American Diabetes Association (ADA). Diese Werte dienen nur zur Orientierung und ersetzen keine medizinische Diagnose.

Kontakt

Dieses Projekt entstand im Rahmen einer Seminarfacharbeit zum Thema „Diabetes bei Schülern“. Ziel ist es, Wissen praxisnah aufzubereiten und damit zu einem sichereren und offeneren Schulalltag beizutragen.